Die deutsche Modesty Blaise Homepage
                Modesty Blaise

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ModestyWillie02´´Eine bemerkenswerte Frau´´, sagte Tarrant und sah den dichten Schwaden Zigarrenrauch nach, die sich im warmen Licht der Lampe kräuselten. ´´Wenn Sie 1945 als kleines Kind in einem Flüchtlingslager im Mittleren Osten ganz auf sich allein gestellt aufgewachsen wären, glauben Sie, Sie hätten es geschafft, sich im Alter von sechsundzwanzig Jahren mit einer halben Million Pfund Sterling zur Ruhe zu setzen? Als kleines Mädchen, meine ich.´´

*  *  *

Im Alter von sechsundzwanzig Jahren konnte man sich nicht noch einmal selbst neu erschaffen. Diese Lektion hatte sie in den vergangenen zwölf Monaten gelernt.

In den lang vergangenen düsteren Jahren, beinahe von der ersten Erinnerung an, hatte jeder Tag Furcht und Gefahr für das einsame Mädchen bereitgehalten, das sich wie ein kleines wildes Tier durch die Kriegswirren des Balkans und der Levante schlug. Aber später, mit der Pubertät, kam eine Zeit, da die Furcht sich in einen Stimulus verwandelte, und die Momente der Gefahr, die früher Angst und Schrecken gebracht hatten, vermittelten jetzt nur noch intensiver das Gefühl, am Leben zu sein

*  *  *

Willie Garvin lag allein in seiner winzigen Zelle und Lethargie breitete sich wie eine graue Decke über seinen Verstand. Es war wieder wie in der alten Zeit, den dreckigen, ziellosen und verhassten Tagen, bevor Modesty Blaise gekommen war und wie durch Zauberhand seine Welt verändert und in Ordnung gebracht hatte.

Aber jetzt war das Licht erloschen, das sieben Jahre lang in seinem Kopf gebrannt hatte. Er tappte wieder im Dunklen.

Willie Garvin wusste, dass er etwas unternehmen musste. Eine lausige Bande von zerlumpten Soldaten hatte ihn geschnappt und ins Gefängnis gesteckt, und jetzt würden sie ihn bald erschießen. Vor ein paar Jahren, bei einem Beutezug für die Prinzessin, wäre es ein Kinderspiel für ihn gewesen. In seinem Kopf hätte es von Ideen nur so geschwirrt. Innerhalb von zwei Stunden hätte er sechs verschiedene Möglichkeiten ausgeknobelt, wie er aus diesem Dreckloch hinausspazieren konnte.

Er ekelte sich vor sich selbst, aber es war nichts zu machen, das Licht war eben erloschen und die Rädchen in seinem Kopf hatten aufgehört sich zu drehen. Sieben Jahre lang war er mit stolzgeschwellter Brust durch die Welt marschiert, aber jetzt war er wieder in die Leere zurückgesunken, ohne Ziel, ohne Hoffnung. Und bald würde er tot sein.

Herrgott, wird sie ´ne Wut auf mich haben, wenn sie das herauskriegt, dachte Willie unzusammenhängend.

Etwas klirrte leise gegen die Gitterstäbe der Tür. Er wandte den Kopf und sah eine dunkle Gestalt leicht geduckt in einem schmalen Lichtstreifen stehen.

Er erkannte sie augenblicklich. Willie Garvin setzte sich ohne besondere Eile auf, schwang die Beine von der Pritsche und ging lautlos zur Tür. In dieser kurzen Zeitspanne leuchtete übergangslos und ganz undramatisch das Licht in seinem Kopf wieder auf und die Rädchen setzten sich in Bewegung.

Aus: Die tödliche Lady von Peter O´Donnell, 1965