Jim Holdaway

JIM HOLDAWAY wurde 1927 geboren. Nach verschiedenen Tätigkeiten spezialisierte er sich in den 1950er Jahren als freiberuflicher Künstler hauptsächlich auf das Zeichnen von Comicstrips. Er arbeitete unter anderem an Captain Vigour, Comic Cuts und Mickey Mouse Weekly. Mit Peter O´Donnell traf er 1956 erstmals bei dem Strip Romeo Brown zusammen. Die Zusammenarbeit dauerte bis zu Holdaways frühem Tod im Jahr 1970.

HoldawayK´´Jim Holdaway hat eine sehr individuelle Erzählweise. In kaum einem anderen Comic (strip) findet man eine solche Häufung von groß im Vordergrund plazierten Köpfen, die oft nur knapp an der `Kamera´ vorbeisehen — im Film der gröbste Fehler, den sich ein Regisseur vorstellen kann — und die Handlung tragen. Selbst wenn das Geschehen im Hintergrund abläuft, findet man davor einen überdimensionalen Körper, der vor allem aus ästhetischen Gründen ins Bild geschoben wird.

Logischerweise führt eine so individuelle Vorliebe, wenn es um den Erzählfluß geht, zu Problemen. So erscheint Holdaways Technik nicht immer kontinuierlich erzählt, sondern ähnlich einem Dia-Vortrag, Bild für Bild nachgerückt. Es vergeht immer Zeit zwischen den einzelnen Panels und zwischen jedem Tagesstreifen ohnehin, was nicht allein mit der Eigengesetzlichkeit der Strip-Form zu erklären ist. Holdaway versteht sich offenbar weniger als Kameramann denn als Storyboard-Zeichner, der Szenen in Einzelbilder aufsplittet, wo andere sie erst aus mehreren Blickwinkeln darstellen, bevor sie zur nächsten übergehen.

Ein weiteres typisches Merkmal seiner besonderen Raffinesse ist seine Schwarz-auf-Schwarz-Technik, die er souverän umsetzt. Da er Willie Garvin und Modesty meist in schwarzen Kampfanzügen agieren läßt, bietet sich ihm fast immer die Möglichkeit, diese eigenwillige Technik vorzuführen: ineinander verwobene Körper oder voreinander stehende Figuren können trotz einer einzigen Schwarzfläche ohne Hilfslinien deutlich ausgemacht werden.

Auch sein Gefühl für Komposition ist in jedem Panel spürbar. Ungeachtet der immer wiederkehrenden Köpfe, die erstaunlicherweise niemals gleich aussehen (!), entwirft er permanent Panels, die in sich geschlossen die Handlung vorantreiben. Ebenso bewundernswert ist die Art, wie er Action behandelt, die ihn ebenfalls vom Gros seiner Kollegen unterscheidet. Obwohl weit entfernt vom Genie der Bewegungsstudien eines Burne Hogarth sind Holdaways Körper genauso dynamisch, fundiert und fehlerlos in ihrer Aktions-Anatomie.´´

(Karlheinz Borchert in Macao 2)

 

Take-Over ist die letzte Geschichte, die Jim Holdaway vollständig gezeichnet hat, und sie zeigt ihn auf dem Höhepunkt seines Könnens. Werfen Sie beispielsweise einen Blick auf das zweite Bild in Strip Nummer 1928. Der Text verlangte eine Außenansicht von London, die man als ein paar Dächer mit einem Teil der Nelson-Säule im Vordergrund hätte ausführen können; aber sehen Sie sich an, was Jim daraus gemacht hat. Man erkennt sogar, dass er einen Mann in einem Dinghy hineingezeichnet hat, der zu oder von dem Schlepper auf dem Fluss rudert. Und erst das nächste Bild – es ist atemberaubend, wie er den Hintergrund, den man durch das Fenster neben Modesty sieht, ausgestaltet hat.

Peter O´Donnell, Warlords of Phoenix, Titan 1986